Ein Interview aus der diabeteszeitung (10. Jahrgang · Nr. 6 · 29. Oktober 2025)
Innovationen im Bereich der funktionalen Ernährung entstehen oft dort, wo Alltagserfahrung, persönliche Betroffenheit und unternehmerischer Antrieb zusammenkommen. Gerade im Diabetes-Umfeld sind Lösungen gefragt, die praktische Herausforderungen ernst nehmen, ohne sie zu dramatisieren oder mit Versprechen zu überladen.
Im Rahmen des Startup Village beim Diabeteskongress der DDG erhalten junge Unternehmen die Möglichkeit, genau solche Ansätze vorzustellen. Gewinner des Wettbewerbs war 2025 Hyporest – Dextrose-Minitabletten ohne Geschmack, die einen neuen Blick auf Kohlenhydratzufuhr im Alltag eröffnen.
Das folgende Interview mit Hyporest-Gründer Julius Grennigloh aus der diabeteszeitung gibt Einblick in die Entstehungsgeschichte, die Idee hinter dem Produkt und die Resonanz aus Praxis und Community. Das Gespräch wird nachfolgend vollständig und wortgetreu wiedergegeben.
Interview
Herr Grennigloh, was ist Hyporest?
Dahinter verbirgt sich eine Dextrosetablette mit einem geschmacklosen Überzug. Sie hilft beispielsweise bei Hypoglykämie in der Nacht, wenn die Zähne schon geputzt sind und man zwecks Glukosenachschub Gummibärchen, Apfelsaft, Cola zu sich nimmt und man zwecks Zahnschutz eigentlich nochmals zum Putzen ins Bad müsste oder wenn nach dem süßen Geschmack der Dextrose der Griff nach mehr Süßem lockt.
Wie sieht Hyporest aus?
Bei Hyporest handelt es sich um eine Tablette, die sieben Millimeter im Durchmesser misst. Es gibt sie in der Dose mit jeweils 1.250 Tabletten und einem Löffel, den man je nach Bedarf füllen kann. 25 Tabletten passen auf einen Löffel, das entspricht 0,5 Kohlenhydrateinheiten bzw. 5 Gramm Kohlenhydraten. Verfügbar sind aber auch Beutel für unterwegs, Hyporest Pockets beinhalten jeweils zehn Tütchen à 100 Tabletten.
Wie kam es dazu, eine geschmacklose Tablette zu entwickeln?
Ich kannte Diabetes Typ 1 aus der Familie. Dann war ich 2019 plötzlich selbst betroffen. Obwohl mir die Symptome von Diabetes bekannt waren, habe ich diese zuerst ignoriert. Aber dann wurde ich vom Arzt mit der Realität konfrontiert. Dass ich nicht mehr essen konnte, was ich wollte und wann ich wollte, hat mich sofort sehr gestört.
Man bekommt von diesem CGM-System heutzutage in Form eines Alarms diktiert, jetzt musst du plötzlich Süßigkeiten essen oder irgendwas Süßes zu dir nehmen, um deinen Blutzuckerspiegel wieder zu erhöhen. Mein Cousin hatte sich auch schon immer mal geärgert, wenn er schnell essen musste, vor allem nachts. Verstanden habe ich sein Dilemma aber erst richtig in der gleichen Situation. Es dauerte dann auch nicht lange, dass ich die Idee mit der geschmacklosen Tablette hatte. Ich konnte gar nicht verstehen, dass es eine solche Tablette bisher nicht zu kaufen gab.
Gibt es einen beruflichen Hintergrund, sind Sie Chemiker?
Nein, beruflich habe ich etwas ganz anderes gemacht. Der Gedanke, Unternehmer zu werden, war für mich allerdings schon immer interessant, also habe ich meinen Job gekündigt und im Oktober 2022 die euvorio GmbH gegründet. Zwei Jahre hat es dann noch bis zum fertigen Produkt gedauert. Dank eigener finanzieller Mittel und eines Gründerstipendiums ging alles glatt. Familie und Freunde unterstützen. Insgesamt sind wir jetzt sechs Mitstreiter.
Brauchte es Partner aus der Industrie für die Umsetzung?
Überzüge für Tabletten, sog. Coatings, sind weitverbreitet. Es gibt sie in der Pharma- und in der Süßwarenindustrie. Ich konnte ein großes Unternehmen für die Zusammenarbeit gewinnen. Ein Prototyp wurde gepresst und gemeinsam haben wir den Überzug optimiert. Die Tablette beinhaltet jetzt auch einen „Sprengstoff“, der dafür sorgt, dass der Überzug aufquillt und sich die geschluckte Tablette zeitnah im Magen zersetzt.
Wo kann man Hyporest kaufen?
Wir haben mit der Vermarktung erst letzten Herbst angefangen. Hyporest ist aber schon bei diversen Versandhändlern im Diabetesbereich im Angebot. Auch Sportler ohne Diabetes greifen inzwischen auf Hyporest zurück. Ziel ist natürlich langfristig, dass Hyporest auch in jeder Apotheke im Regal steht.
Wie ist die Resonanz der Anwender*innen auf das Produkt?
Die Resonanz ist sehr groß, seitens der Nutzer, aber auch seitens der Ärzte und Diabetesberater. Wir haben auch schon sehr viel Informationsmaterial und viele Testboxen verschickt. Ein Zahnarzt, dem ich von Hyporest berichtet habe, war total begeistert angesichts des möglichen Zahnschutzes. Ich selbst trage nachts eine Zahnschiene und oft habe ich sie wegen des Zuckers nachts weggelassen. Jetzt kann ich sie wieder mit gutem Gewissen tragen. Ich hoffe, wir können mit Hyporest ein wenig zur Reduktion des Zuckerkonsums in Deutschland insgesamt beitragen. Süßes hat ja einen Suchtfaktor und man isst oft mehr Zucker, als man eigentlich möchte.
Interview: Cornelia Kolbeck
Wer sich näher mit Hyporest beschäftigen möchte, findet weitere Informationen zum Produkt, zur Idee dahinter und zu den Einsatzmöglichkeiten im Alltag auf den offiziellen Kanälen von Hyporest – jetzt reinschauen!

