Wie der richtige Umgang mit Diabetes bei Kindern und Jugendlichen gelingen kann

Wie der richtige Umgang mit Diabetes bei Kindern und Jugendlichen gelingen kann


Genau in der Lebensphase, die für das spätere Essverhalten und die Gesundheit besonders wichtig ist, bewegen sich (Klein-)Kinder zu wenig und konsumieren zu viel Zucker. Parallel dazu wird ihnen zunehmend häufiger Diabetes diagnostiziert. Besonders hoch ist die Zahl der Neuerkrankungen in Deutschland in der Altersgruppe 12 bis 19 Jahren.

(Starkes) Übergewicht nimmt laut aktuellen Zahlen des Robert Koch-Instituts auch bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland weiter zu und hat sich in den vergangenen zehn Jahren sogar verfünfacht.1 Häufig treten damit auch erhöhte Blutdruckwerte und Veränderungen im Fettstoffwechsel auf. Als mögliche Ursachen werden in Studien unter anderem Bewegungsmangel und der Konsum zuckerhaltiger Lebensmittel genannt. Drei Viertel der Kinder und Jugendlichen erreichen nicht die von der WHO empfohlene körperliche Aktivität von mindestens einer Stunde pro Tag. Je jünger die Kinder, desto mehr Bewegung wird empfohlen. Hinzu kommt, dass schon Kleinkinder häufig sehr süß und unausgewogen essen. Laut Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel machen Süßigkeiten und Softdrinks bis zu einem Drittel der täglichen Energiezufuhr von Vorschulkindern aus.2 Obst, Gemüse und Vollkornprodukte sind dagegen deutlich seltener vertreten. Die WHO empfiehlt, dass Zucker – ob natürlich oder zugesetzt – weniger als zehn Prozent der täglichen Energiezufuhr ausmacht. Das entspricht etwa 25 Gramm, umgerechnet sechs Teelöffeln pro Tag.

Um dieses Ziel zu erreichen, kann es sinnvoll sein, Süßwaren, zuckerhaltige Getränke und industriell verarbeitete salzig-herzhafte Lebensmittel zu reduzieren. Ein genauer Blick auf die Inhaltsstoffe hilft dabei: Häufig ist Zucker enthalten, wo man ihn nicht vermutet – auch in speziell für Kinder beworbenen Produkten.3 Die Begriffe Dextrose, Fruktose, Glukose, Laktose, Maltodextrin und Maltose stehen für verschiedene Zuckerarten und geben Hinweise auf den Zuckergehalt von Lebensmitteln. Und: Angaben wie „natürlich“, „weniger süß“ oder „reduzierter Zuckergehalt“ bedeuten nicht automatisch, dass tatsächlich wenig Zucker enthalten ist.


Typische Anzeichen für Diabetes bei Kindern

In wissenschaftlichen Veröffentlichungen wird beschrieben, dass bei Bewegungsmangel und einem hohen Konsum zuckerhaltiger Lebensmittel bestimmte gesundheitliche Risiken häufiger auftreten – dazu zählen auch Stoffwechselerkrankungen wie Typ-2-Diabetes. Die jüngste Zulassung des verschreibungspflichtigen Wirkstoffs Liraglutid als Option im Bereich Adipositastherapie für junge Patientinnen und Patienten zeigt, wie ernst die Situation eingeschätzt wird. Bei schweren Fällen reichen Maßnahmen wie mehr Bewegung und eine Reduktion der Energiezufuhr allein nicht immer aus. Umso wichtiger ist es, frühzeitig aufmerksam zu sein und Hinweisen auf eine mögliche Erkrankung nachzugehen.

Als typische Anzeichen für Diabetes gelten starker Durst, häufiger (nächtlicher) Harndrang, ungewöhnlich starker Gewichtsverlust, Müdigkeit und Leistungseinbrüche. Kindern, die erblich vorbelastet sind, wird ab dem zehnten Lebensjahr ein Früherkennungstest empfohlen. Zucker im Urin, Blutzuckerwerte über 200 Milligramm pro Deziliter und hohe Werte in der Langzeit-Blutzuckermessung können deutliche Hinweise auf eine Erkrankung sein.


Wege mit der Erkrankung finden

Ist eine Stoffwechselerkrankung einmal diagnostiziert, erfolgt die Behandlung individuell mit dem spezialisierten Arzt abgestimmt und an Faktoren wie Wachstum, Hormone und Tagesablauf angepasst. Sie orientiert sich idealerweise an nationalen und internationalen Leitlinien. Ebenso wichtig ist es, Themen wie Überforderung oder Angst ernst zu nehmen – denn Diabetes fordert die ganze Familie heraus.

Für den Alltag bedeutet die Diagnose in der Regel, mehrmals täglich den Blutzucker zu messen, Insulin zu spritzen und auf die Ernährung – konkret auf die Kohlenhydratzufuhr – zu achten. Der Fokus sollte auf Vollkornprodukten, Obst und Gemüse liegen; Fisch, Milchprodukte und Fleisch werden in üblichen Ernährungsempfehlungen in Maßen empfohlen. Es kann außerdem hilfreich sein, das nähere Umfeld über die Erkrankung zu informieren, damit dieses bei Bedarf – zum Beispiel beim Sport oder im Fall von Unterzuckerung – unterstützen kann.

Zu den Technologien, die heute zur Verfügung stehen, gehören digitale Insulinpens, Insulinpumpentherapie, kontinuierliche Glukosemessung, sensorunterstützte bzw. sensorintegrierte Insulintherapie und automatisierte Insulinabgabesysteme. Sie können dabei unterstützen, den Alltag zu strukturieren und die Therapie organisatorisch zu erleichtern.

1 https://diabsurv.rki.de/Webs/Diabsurv/DE/startseite/artikel/2021-11-11_ergebnisse-kinder-jugendliche.html
2 https://www.frontiersin.org/journals/nutrition/articles/10.3389/fnut.2024.1335934/full
3 https://www.mri.bund.de/de/aktuelles/meldungen/meldungen-einzelansicht/zu-viel-zucker-fett-und-salz-im-essen/