Wer ist Prof. Dr. Peter Schwarz?
Peter Schwarz ist Inhaber der Professur für Prävention und Versorgung des Diabetes an der TU Dresden und leitet dort die Abteilung Prävention am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus. Im Dezember 2022 wurde er als erster Deutscher zum President-Elect der International Diabetes Federation gewählt und übernahm die Präsidentschaft im Dezember 2024. Die IDF ist der internationale Dachverband nationaler Diabetes-Gesellschaften mit rund 240 Mitgliedsorganisationen in über 160 Ländern und vertritt weltweit etwa 589 Millionen Menschen mit Diabetes.
Sein Forschungsprofil verbindet klinische Innere Medizin mit Versorgungsforschung und Diabetes-Prävention. Zum Werdegang gehören eine Postdoc-Phase am Howard Hughes Medical Institute der University of Chicago, die Habilitation in Innerer Medizin (2008) sowie ein MBA in International Business. Die Verbindung von medizinischer Wissenschaft und Versorgungsstrukturen ist bei Schwarz programmatisch.
Über seine wissenschaftliche Arbeit hinaus engagiert sich Schwarz öffentlich für drei zentrale Anliegen, die seine Agenda als IDF-Präsident prägen:
- Globaler Insulinzugang. Schwarz weist regelmäßig darauf hin, dass in Ländern mit schwacher Gesundheitsversorgung die Sterblichkeit von Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes deutlich erhöht ist, weil Diagnose, Versorgungsinfrastruktur und Zugang zu Insulin oft fehlen. Sein Vorschlag: ein jährlicher weltweiter Diabetes-Survey, der jeweils zum Weltdiabetestag erhoben und veröffentlicht wird, damit Patientenorganisationen mit belastbaren Daten politischen Druck auf ihre Regierungen aufbauen können. Vorbild ist die internationale HIV-Bewegung, in der vergleichbare Datentransparenz wesentlich zu strukturellen Versorgungsverbesserungen beigetragen hat.
- Digitalisierung in unterversorgten Regionen. In weiten Teilen Subsahara-Afrikas und Südasiens ist die diabetologische Versorgung ausgedünnt; das Smartphone ist häufig die einzige verlässliche Schnittstelle zum Patienten. Schwarz ist Mitgründer einer Diabetes-App in Ruanda und nennt solche Anwendungen „Digiceuticals". In Karachi mit rund 22 Millionen Einwohnern gebe es nach seinen Angaben nur eine einzige Diabetesklinik, in ganz Pakistan rund 120 Diabetesberater. Solche Lücken seien ohne digitale Werkzeuge nicht zu schließen.
- Prävention vor Therapie. Sein zentrales Forschungsthema bleibt die Frage, wie sich Typ-2-Diabetes durch Lebensstilintervention vermeiden oder im Verlauf zurückdrängen lässt: Bewegung, Ernährung, Gewichtsreduktion und unterstützende digitale Werkzeuge wie die Bewegungsapp „AnkerSteps". In diese Linie ordnet er auch das Wasserfasten ein, als kurzfristige, aber intensive metabolische Intervention.
Die übergeordnete Linie seiner Arbeit lautet: Typ-2-Diabetes nicht nur medikamentös behandeln, sondern wo möglich verhindern oder in Remission bringen.
Wasserfasten: was im Körper passiert
Beim Wasserfasten verzichtet der Körper für mehrere Tage vollständig auf Nahrung und nimmt ausschließlich Wasser auf. Dabei stellt der Stoffwechsel schrittweise auf alternative Energiequellen um. Die Zeitangaben sind Richtwerte; sie variieren je nach Stoffwechselzustand, körperlicher Aktivität und Vorernährung.
- Erste 24 Stunden: Insulinspiegel und Blutzucker sinken, Glukagon steigt, die Leber mobilisiert ihre Glykogenspeicher. Parallel beginnt die Glukoneogenese.
- 24 bis 48 Stunden: Die Glykogenspeicher sind weitgehend erschöpft. Die Fettoxidation steigt deutlich an, erste messbare Ketonkörper treten auf, und die Autophagie, also der zelluläre „Aufräumprozess", gewinnt an Bedeutung.
- Ab 48 bis 72 Stunden: Der Körper befindet sich in einer ausgeprägten Ketose. Ketonkörper werden zum Hauptenergielieferanten für Gehirn, Herz und Muskulatur; die Autophagie erreicht ihre höchste Aktivität.
Schwarz verbindet diesen Stoffwechselzustand vor allem mit einer deutlichen Reduktion des Leberfetts. Aus seiner Sicht ist die Entfettung der Leber ein zentraler Hebel gegen Typ-2-Diabetes, Insulinresistenz und assoziierte metabolische Störungen. Diese Hypothese wird durch Daten zur nichtalkoholischen Fettleber (NAFLD, seit 2023 in der Fachliteratur zunehmend als MASLD bezeichnet) als wichtigem Treiber der Insulinresistenz gestützt.
Für wen Wasserfasten in Frage kommt
Schwarz ordnet Wasserfasten primär als Strategie für Menschen mit Typ-2-Diabetes ein, insbesondere bei kurzer Erkrankungsdauer, Übergewicht und ausgeprägter Fettleber. In diesen Konstellationen kann eine intensive Stoffwechselintervention den Insulinbedarf senken und in einzelnen Fällen zu einer Remission beitragen.
Die wissenschaftlich am besten dokumentierte Referenz für diesen Ansatz ist die DiRECT-Studie. Eine intensive kalorische Restriktion über 12 Monate führte bei 46 % der Teilnehmenden zu einer Diabetes-Remission, definiert als HbA1c (Langzeit-Blutzuckerwert) unter 6,5 % ohne diabetesspezifische Medikation[1]. Nach 24 Monaten lag die Remissionsrate noch bei rund 36 %. Wasserfasten ist methodisch nicht identisch mit dem DiRECT-Protokoll, folgt aber derselben Grundidee: ein starkes, definiertes Kaloriendefizit als metabolischer Reset.
Typ-1-Diabetes: besondere Vorsicht geboten
Bei Typ-1-Diabetes gilt eine andere Risikolage. Ohne körpereigene Insulinproduktion und ohne korrekt angepasste externe Insulinzufuhr steigt das Risiko einer diabetischen Ketoazidose. Fasten ist hier nicht als Ernährungsmaßnahme zu verstehen, sondern als medizinische Intervention, die ärztlich begleitet werden muss.
Wer mit Typ-1-Diabetes über eine Fastenphase nachdenkt, sollte das ausschließlich nach diabetologischer Beratung tun. Basalinsulin, CGM-Alarme, Ketonmessung und ein klares Abbruchkriterium sollten vor Beginn festgelegt sein.
Das Buch von Prof. Schwarz
Schwarz hat seinen Ansatz 2026 im Buch „Wasserfasten – und wie man in 14 Tagen Diabetes und andere entzündliche Erkrankungen besiegen kann" (DuMont Buchverlag) ausführlich dargestellt[3]. Im Zentrum steht ein zweiwöchiges Wasserfasten-Protokoll als, aus Sicht des Autors, wirksamste Form der Stoffwechselentlastung.
Wir verlinken das Buch, weil es die fachliche Position von Schwarz dokumentiert und Interessierten den Zugang zum Originalkonzept ermöglicht. Das Buch ist beim DuMont Buchverlag und auf Amazon erhältlich.
Häufige Fragen zum Wasserfasten bei Diabetes
Kann Wasserfasten Typ-2-Diabetes heilen?
Eine pauschale Heilungsaussage ist wissenschaftlich nicht gedeckt. Es gibt aber belastbare Evidenz, dass intensive Gewichts- und Stoffwechselinterventionen bei Typ-2-Diabetes zu einer Remission führen können. Die DiRECT-Studie zeigte 46 % Remission nach 12 Monaten Programmdauer[1]; nach 24 Monaten lag die Rate noch bei rund 36 %. Remission bedeutet einen normwertigen HbA1c ohne diabetesspezifische Medikation. Rückfälle sind möglich, eine Verlaufskontrolle bleibt erforderlich.
Sollte ich als Mensch mit Diabetes wasserfasten?
Diese Entscheidung gehört in eine ärztliche Beratung. Bei Typ-2-Diabetes kann Fasten sinnvoll sein. Bei Typ-1-Diabetes ist das Risiko einer Ketoazidose deutlich erhöht und eine medizinische Begleitung zwingend.
Darf ich mit Insulinpumpe wasserfasten?
Nur mit diabetologischer Begleitung. Basalrate, CGM-Alarmgrenzen und Ketonmessung müssen vorab angepasst und ein Abbruchkriterium definiert werden. Auch eine nächtliche Hypoglykämie kann während des Fastens gefährlich werden.
Was sind Ketonkörper?
Ketonkörper sind Stoffwechselprodukte, die die Leber aus Fettsäuren bildet, wenn die Glukoseverfügbarkeit niedrig ist. Energetisch relevant sind Beta-Hydroxybutyrat und Acetoacetat; sie dienen dem Körper als alternative Energiequelle, insbesondere für Gehirn, Herz und Skelettmuskulatur. Aceton entsteht als Nebenprodukt aus Acetoacetat und wird größtenteils über die Atemluft ausgeschieden, was den charakteristischen fruchtigen Atemgeruch bei tiefer Ketose oder Ketoazidose erklärt.
Ist eine Ketose dasselbe wie eine Ketoazidose?
Nein. Eine ernährungs- oder fastenbedingte Ketose ist ein kontrollierter physiologischer Zustand mit moderaten Ketonkörperspiegeln und stabilem Blut-pH. Eine diabetische Ketoazidose dagegen ist eine medizinische Notfallsituation mit stark erhöhten Ketonkörperwerten, sinkendem Blut-pH und absolutem Insulinmangel. Gerade bei Typ-1-Diabetes ist diese Unterscheidung lebenswichtig.
Hinweis
Diese Seite dient ausschließlich der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Bei Symptomen einer schweren Hypoglykämie (Bewusstseinstrübung, Krampfanfall, Bewusstlosigkeit) handelt es sich um einen medizinischen Notfall. Sofort den Notarzt (112) rufen und verordnetes Glucagon nutzen. Bei Anzeichen einer diabetischen Ketoazidose (starker Acetongeruch der Atemluft, Übelkeit, Bauchschmerzen, schnelle vertiefte Atmung) ebenfalls sofort medizinische Hilfe in Anspruch nehmen. Wasserfasten bei Diabetes, insbesondere bei Typ-1-Diabetes, sollte ausschließlich unter ärztlicher Begleitung erfolgen. Hyporest ist ein Nahrungsergänzungsmittel und kein Arzneimittel.

