Dawn-Phänomen


Das Dawn-Phänomen (Morgendämmerungsphänomen) beschreibt den natürlichen Anstieg des Blutzuckerspiegels in den frühen Morgenstunden zwischen etwa 4 und 8 Uhr – ohne vorherige Nahrungsaufnahme. Es tritt vor allem bei Menschen mit Diabetes auf und führt zu erhöhten Nüchternblutzuckerwerten am Morgen.

Ursachen und Pathophysiologie

Das Phänomen wird durch hormonelle Veränderungen in der Nacht ausgelöst. In den frühen Morgenstunden steigen folgende Hormone an:

  • Wachstumshormon (Somatotropin)
  • Cortisol
  • Glukagon
  • Adrenalin

Diese Hormone fördern die Freisetzung von Glukose aus der Leber und vermindern gleichzeitig die Wirkung von Insulin. Dadurch steigt der Blutzucker an, ohne dass etwas gegessen wurde.

Symptome und Auswirkungen

  • Erhöhter Nüchternblutzucker am Morgen (oft 30–100 mg/dl höher als nachts)
  • Schwierigkeiten, den Blutzucker am Vormittag stabil zu halten
  • Kein nächtlicher Blutzuckerabfall

Differenzialdiagnose: Dawn-Phänomen vs. Somogyi-Effekt

Kriterium Dawn-Phänomen Somogyi-Effekt
Ursache Hormoneller Anstieg am Morgen Gegenregulation nach nächtlicher Hypoglykämie
Blutzucker um 3 Uhr normal oder leicht erhöht stark erniedrigt
Blutzucker morgens erhöht erhöht (Rebound)

Therapie und Gegenmaßnahmen

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und umfasst meist:

  1. Anpassung des Basalinsulins (spätere Injektion oder höhere Dosis)
  2. Bei Insulinpumpe: Erhöhte Basalrate in den Morgenstunden
  3. Vermeidung spätabendlicher kohlenhydratreicher Mahlzeiten
  4. Regelmäßige Bewegung am Abend
  5. Bei Bedarf Medikamente zur Hemmung der morgendlichen Glukoseproduktion

Weiterführende Informationen:
Diabetes mellitus – Wissen und Übersicht
Warum Hyporest
Hyperglykämie

Quellen

  1. Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG). S3-Leitlinie „Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2“. Stand 2025. Verfügbar unter: www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/leitlinien.
  2. American Diabetes Association. Standards of Medical Care in Diabetes—2026. Diabetes Care. 2026;49(Suppl 1). Verfügbar unter: diabetesjournals.org.
  3. Robert Koch-Institut (RKI). Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Diabetes mellitus in Deutschland. Berlin 2024.
  4. International Diabetes Federation (IDF). IDF Diabetes Atlas. 11th edition. Brussels 2025. Verfügbar unter: diabetesatlas.org.

Wichtiger Hinweis:
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Zuletzt aktualisiert: 26. Februar 2026